Immobilienmarktkrise auf polnisch
18. Juli 2008
Gerade einmal 5700 neue Wohnungen wurden im zweiten Quartal 2008 in den 8 grössten polnischen Städten verkauft, über 3000 weniger als in den Vorquartalen.
Der polnische Immobilienmarkt rutscht in eine tiefe Strukturkrise. Die schwächelnde Nachfrage drückt auf die Wohnungspreise. In den Wirtschaftsmedien ist von Preisnachlässen zwischen 10 und 20 % binnen Jahresfrist die Rede. Fallende Preise und gestiegene Hypothekenzinsen verstärken die Zurückhaltung potentieller Käufer. Dagegen werden immer mehr der erst vor einigen Jahren bezugsfertig gewordenen Wohnungen zum Verkauf angeboten, – gerade von denen, die in der Immobilie nur eine Geldanlage sahen und jetzt noch schnell den verbliebenen Gewinn realisieren wollen.
Bauträgern und Maklern dagegen sitzen die Banken im Nacken. Pleiten sind absehbar. Aber auch bei privaten Wohnungskäufern werden die Banken manche Abschreibung vornehmen müssen. Hypothekenkredite wurden in der Hoffnung auf weiter steigende Wohnungspreise leichtfertig an Menschen vergeben, die sich den Wohnungskauf aufgrund ihrer Einkommensverhältnisse eigentlich nicht leisten konnten. Jetzt müssen die Banken in vielen Fällen registrieren, dass der Marktpreis der Wohnung niedriger ist als die eingeschriebene Hypothek.
So wie der Immobilienmarkt Motor der Konjunkturentwicklung in den letzten Jahren war, so könnte er jetzt zur Bremse werden. Immerhin kann man sich in Polen damit trösten, dass die wackligen Hypothekenkredite nicht auch noch nach amerikanischem Vorbild zu irgendwelchen Finanzmarktprodukten modelliert wurden. Eine polnische Subprime-Krise gibt es nicht, aber die Immobilienmarktkrise ist evident.













