CIA-Gefangene blieben doch länger in Polen

30. Juli 2010

Zwischen Dezember 2002 und September 2003 sind zahlreiche amerikanische Militärmaschinen mit Gefangenen auf dem Militärflughafen Szumany in Masuren gelandet.

Das ist der polnischen Öffentlichkeit schon seit langem bekannt. Bisher nicht bekannt dagegen war, dass mindestens 4 Gefangene bis 2005 in Polen festgehalten wurden.

Nach eigenen Ermittlungen der Zeitung und Dokumenten, die von der Staatsanwaltschaft dem polnischen Helsinki-Komitee zugeleitet wurden, erscheinen inzwischen weitere Einzelheiten des seltsamen Gefangenen-Transfers aufgeklärt. Danach sind die Maschinen mit den Verschleppten u. a. aus Marokko und Dubai gekommen. Ein Teil der ohne Urteil und ohne Zuerkennung eines Kombattanten-Status Festgehaltenen ist gemäss der bisherigen Darstellung in den polnischen Medien offenbar nur auf dem masurischen Flughafen umgeladen worden. Ein Teil der Flugzeuge war wohl sogar nur wegen der Inanspruchnahme von Service-Leistungen nach Szumany gekommen.

Vier Personen haben Polen allerdings erst im Juli 2005 vom Warschauer Militärflughafen Okecie verlassen. Ihre Ausreise mit einer amerikanischen Maschine vom Typ Gulfstream sei vom polnischen Grenzschutz organisiert worden. Der Flug sei unter der Nummer N63MU an die europäische Luftfahrtbehörde Eurocontrol gemeldet worden. Die Zeugen des Vorgangs seien bekannt.

Die jüngsten Informationen zu den geheimen CIA-Gefangenen dokumentieren wohl auch die Strategie der polnischen Staatsanwaltschaft, die Öffentlichkeit scheibchenweise mit der Wahrheit vertraut zu machen. An die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen polnische Offiziere oder die seinerzeit massgeblich verantwortlichen Politiker des Linksbündnisses glaubt kaum noch jemand. Der Umstand, dass die angeblichen Terroristen monatelang in Polen festgehalten wurden, wird eine einfache Einstellung des Verfahrens aber nicht unbedingt erleichtern.

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