Polnische Soldaten wegen Kriegsverbrechen in Afghanistan in Haft

23. November 2007

Nach ihrer Rückkehr aus Afghanistan sind 7 Angehörige der polnischen Armee, darunter zwei Offiziere und 2 Unteroffiziere, verhaftet worden.

Für die Militärstaatsanwaltschaft und das Garnisongericht in Poznan (Posen) stehen die Soldaten unter dem Verdacht, am 16. August 2007 in dem afghanischen Dorf Nangar Khel ein schweres Kriegsverbrechen begangen zu haben. Unter dem Eindruck eines Angriffs auf eine polnische Patrouille einige Studen zuvor beschoss die Sturmeinheit, der die Soldaten angehören, das Dorf mit Mörsergranaten und Maschinengewehren, ohne dass es irgendwelche Anzeichen für Taliban-Kämpfer in dem Dorf gegeben hätte. 6 Afghanen wurden getötet, zahlreiche verletzt. Unter den Opfern sind Kinder und Frauen.

Die von einer Spezieleinheit durchgeführte Verhaftung der Soldaten hat in Polen viele Menschen stark bewegt, weil eigentlich die “Opferrolle” in Kriegen und internationalen Konflikten ein Teil der polnischen Identität ist. Gemäss verschiedenen Umfragen spricht sich daher auch eine überwiegende Mehrheit der polnischen Bevölkerung für eine Beendigung der Auslandeinsätze aus.

Höhere Militärs haben dagegen die Verhaftungen scharf kritisiert. Generalstabschef Gagor forderte, angesichts der Gefahren bei den Auslandseinsätzen allen Rückkehrern mit Ehrerbietung zu begegnen.  Politiker der (“post-kommunistische”) SLD äusserten Kritik an der Behandlung der Soldaten. Die nationalistische Tageszeitung “Nasz Dziennik” sieht die Verhaftung als Teil einer gegen Polen gerichteten Verschwörung. Ministerpräsident Tusk nannte die vom Bürgerrechtsbeauftragten Kochanowski gegenüber dem afghanischen Volk ausgesprochene Entschuldigung “voreilig”. Kochanowski hatte die Ereignisse vom 16. August als “Schande für ganz Polen” bezeichnete. 

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