Grossbritannien plant “Soft-Abschiebungen”
8. Februar 2010
Im Rahmen eines Pilot-Projekt will die britische Regierung in den Städten Boston und Peterborough polnische Arbeitsemigranten zur Rückkehr drängen.
Nach einer Meldung des polnischen Wirtschaftsportals “Puls Biznes” wurden dafür zunächst bescheidene 150.000 GBP zur Verfügung gestellt. Da die Polen als EU-Bürger auch in Grossbritannien Freizügigkeit geniessen, geht es bei dem Projekt offenbar darum, mit einer Art “Zuckerbrot-und-Peitsche”-Strategie die Menschen zur “freiwilligen” Rückkehr zu bewegen. U. a. gehört dazu die Übernahme der Rückreisekosten per Bus.
Insbesondere die Stadt Boston in der Grafschaft Lincolnshire weist mit ca. 20 % einen sehr hohen Anteil polnischer Bevölkerung auf. Im Landesvergleich sind in Boston auch relativ viele Polen arbeitslos. Doch dies hat einen konkreten Hintergrund.
Die meisten Polen wurden nach Boston durch Arbeitsangebote in den um die Stadt angesiedelten Geflügelfarmen und Geflügenverarbeitungsbetrieben angelockt. Nur wenige Engländer sind bereit, der gesundheitsbelastenden Arbeit dort nachzugehen. Speziell die Kühlhaustemperaturen in den Betrieben verursachen bei den Beschäftigten häufig Atemwegserkrankungen, aber auch Haut-Ekzeme. Nicht wenige Polen mussten die Arbeit in der Geflügelverarbeitung aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Für sie wurden zumeist neue Polen rekrutiert.
Inzwischen berichten aus Boston nach Polen zurückgekehrte Arbeiter, dass die Behörden in Boston die fehlenden Sprach- und Rechtskenntnisse ausnutzen, um Sozialleistungen einzuschränken oder ganz zu versagen. Allerdings wurde in der Stadt jetzt eine “Crime Reduction Iniciative” organisiert, die die polizeiliche Überwachung der Emigranten verstärken soll.
Die Vorgänge in Boston zeigen nochmals das Grunddilemma, welches von dem EU-weiten “Arbeitnehmerkarussell” hervorgebracht wurde. Die reichen EU-Länder bedienen sich an den billigen Arbeitskräften der europäischen Peripherie, doch wenn diese nicht mehr nutzbar sind, versucht man, die sozialen Lasten wieder auf die Herkunftsländer abzuschieben. Ein finanzieller Ausgleich zwischen den Sozialversicherungen der am “Arbeitnehmerkarussell” beteiligten Länder ist längst überfällig.













