Ukrainische Nationalisten auf “Bandera-Wallfahrt”

3. August 2009

Eine für Jugendliche angebotene Radtour zur Münchner Grabstätte des ukrainischen Nationalisten und SS-Verbündeten Stepan Bandera sorgt in Polen für Verärgerung.

Die Radtour zum “Gedenken an Stepan Bandera”, die wichtige Stationen seines Lebens berührt, startete am Samstag im ukrainischen Cherwonogrod und wird über Lviv auch Polen durchqueren. Über die Slowakei und Österreich wollen die Teilnehmer der von der ukrainischen Stiftung “Ökologie und Gutherzigkeit” angebotenen Tour dann am 23. August München erreichen, wo Stepan Bandera begraben ist.

Stepan Bandera wird in der Westukraine, wo auch der pro-westliche Präsident Juschtschenko seine politische Basis hat, als Nationalheld verehrt. In Polen dagegen wird er als Verbündeter der SS und Mitverantwortlicher für das Massaker an Juden und Polen am 30. Juni 1941 in Lviv (Lemberg) trotz seiner späteren Internierung durch die Nationalsozialisten als Kriegsverbrecher angesehen (mehr zu seiner Person mit dem Suchwort “Bandera”)

Der im Zusammenhang mit ukrainischen Kriegsverbrechen aktive und polenweit bekannte Priester Isakowicz-Zaleski hat eine Intervention der polnischen Regierung gegen die “Radtouristen” verlangt. Der Sprecher des Aussenministeriums sagte zu, dass man sich um weitere Informationen bezüglich der Radtour bemühen werde. Inzwischen gibt es offenbar von ukrainischer Seite die Zusicherung, auf polnischem Boden alles zu unterlassen, was der Tour den Anschein einer politischen Demonstrationsfahrt geben könnte.

Der Organisator der Tour, Pavel Aleksejewicz von “Ökologie und Gutherzigkeit”, hatte bereits zuvor Befürchtungen polnischer Stellen abzumildern versucht. Die Tour sei nur deshalb Bandera gewidmet worden, weil er für seine gesunde Lebensweise bekannt geworden sei, er habe weder geraucht noch Alkohol getrunken.

Bemerkenswert ist, dass in Deutschland die ukrainischen Wallfahrten zum Münchner Bandera-Grab kein Thema sind. Auch Medien wie der “Spiegel” mit seinem Kolumnisten Broder, die bei unliebsamen polnischen Politikern sehr schnell antisemitische Neigungen und vermeintliche Sympathien für den Nationalsozialismus entdecken, verharren angesichts der Bandera-Glorifizierung in konsequentem Schweigen.

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