Verwirrung nach Bartoszewskis Berlin-Besuch
17. Februar 2009
Hat Wladyslaw Bartoszewski gestern von Kanzlerin Merkel die Zusage erhalten, dass die Vertriebenenvorsitzende Steinbach im Gründungsrat für das “Zentrum gegen Vertreibung” nicht vertreten sein wird?
Er selbst und einige Medien versuchten jedenfalls, diesen Eindruck zu erwecken. Bartoszewski zeigte sich nach seiner Kurzvisite in Berlin bei bester Laune und “vollkommen zufrieden”. Vor der Abreise hatte er sich noch sehr harsch geäussert und meinte, eine Mitwirkung Steinbachs im Gründungsrat des Zentrums sei so, als ob der Pabst den Holocaust-Leugner Bischof Williamson zum Beauftragten für die Beziehungen mit Israel ernannt hätte.
Die regierungsnahe “Gazeta Wyborza” verstieg sich in ihrer gestrigen Internet-Ausgabe sogar zu der Aussage, dass sich Merkel und Bartoszewski in Bezug auf die Person Steinbachs eigentlich einig seien, die deutsche Kanzlerin aber “vor den Septemberwahlen sich der Geneigtheit der Umsiedler (Vertriebenen) sicher sein” möchte. Ob es wirklich Leser der “Gazeta Wyborzca” gibt, die glauben, dass eine CDU-geführte Bundesregierung nach den Bundestags-Wahlen Frau Steinbach fallen lassen wird?
Die katholisch-nationalistische Zeitung “Nasz Dziennik” hatte bereits vor Bartoszewskis Berlin-Reise den Pressesprecher der Vertriebenenverbände, Walter Stratmann, nach der zukünftigen Rolle Steinbachs befragt und von ihm die Auskunft bekommen, dass erst in der letzten Woche das Verbands-Präsidium Steinbachs Entsendung in den Gründungsrat bestätigt habe. Der Bartoszewski-Besuch, resumiert “Nasz Dziennik”, habe in dieser Frage keine Änderung erbracht.
Aber die Regierung Tusk weiss natürlich, dass sie innenpolitisch vor schweren Monaten steht. Sie will sich zumindest aussenpolitisch keine Blösse geben und angesichts der zur Zeit wenig deutschfreundlichen Stimmung im Lande der nationalkonservativen Opposition keine Angriffsfläche bieten. Auf starke Worte Richtung Berlin muss man weiterhin gefasst sein.













